St. Georg (Niederwerth)

Die katholische Filialkirche St. Georg in Niederwerth, einer Inselgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz, wurde im 15. Jahrhundert als Klosterkirche im Stil der Gotik errichtet. Die Kirche besitzt eine reiche Ausstattung an Skulpturen. 1972 wurden Wand- und Gewölbemalereien aus dem frühen 16. Jahrhundert entdeckt und wieder freigelegt.
Die Filialkirche St. Georg ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und steht auf der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz.

Wie aus Gräberfunden hervorgeht war die Insel Niederwerth bereits in fränkischer Zeit besiedelt. Erstmals schriftlich erwähnt ist die Insel im 13. Jahrhundert. Der Erzbischof von Trier hatte dort neben anderen Besitzungen einen Hof, den Hasenkammerhof, in dem er wohnte, wenn er sich zur Jagd und zum Fischfang in Niederwerth aufhielt. Hier übernachtete 1338 der englische König Eduard III., als er auf Einladung des Kaisers Ludwig des Bayern beim Koblenzer Fürstentag zu Gast war.
In einer Urkunde aus dem Jahr 1275 ist eine dem hl. Georg geweihte Klause in der Nähe des bischöflichen Hofgutes überliefert, bei der es sich wahrscheinlich um die Ansiedlung einer Beginengemeinschaft handelte. Nach Unstimmigkeiten mit dem Trierer Erzbischof Otto von Ziegenhain siedelten die Beginen um 1428 nach Besselich bei Urbar über. Neben den Klausnereigebäuden übergab Otto von Ziegenhain das erzbischöfliche Hofgut in Niederwerth den Augustinerchorherren von Zwolle, die sich der Windesheimer Kongregation angeschlossen hatten. Die Augustiner weihten das Kloster Unserer Lieben Frau und begannen mit dem Bau der heutigen Kirche, die 1474 geweiht wurde.
Das Kloster brachte es zu erheblichem Reichtum, wozu auch die Fälschungen von Schenkungs- und Kaufurkunden beitrugen. In der Folge der Reformation lebten 1580 nur noch zwei Chorherren in Niederwerth. Auf Anordnung des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Jakob von Eltz mussten sie das Kloster verlassen, damit dort Zisterzienserinnen aus Koblenz − gegen ihren Widerstand − einziehen konnten. Deren Gebäude stellte der Bischof den Jesuiten zur Verfügung, die in Koblenz eine neue Niederlassung gründen und die Gegenreformation auf seinem Territorium vorantreiben sollten.
Um 1600 ließen die Zisterzienserinnen neue Klosterbauten errichten. Die wenigen, heute noch erhaltenen Gebäudereste stammen aus den Bauphasen von 1658 bis 1744. Sie sind heute zu Wohnungen umgebaut. Im Norden des Langhauses sind drei Joche des ehemaligen Kreuzganges erhalten.
Nach der Besetzung das Kurfürstentums Trier durch französische Revolutionstruppen fiel Niederwerth mit den rechtsrheinischen Gebieten an Nassau-Weilburg und wurde 1811 säkularisiert. Gebäude und Ländereien wurden verkauft, die ehemalige Klosterkirche wurde als Schenkung der Gemeinde Niederwerth übertragen. 1954 wurde die Kirche der Pfarrei übereignet. St. Georg ist eine Filiale von Vallendar und gehört zur Pfarreiengemeinschaft Vallendar-Urbar. Von 1968 bis 1974 wurde die Kirche grundlegend restauriert.
Das Langhaus wird von einem kleinen barocken Dachreiter bekrönt. Ein zweiter, gotischer Dachreiter sitzt auf dem Chor. Auf den weißen Außenmauern heben sich die rot gefassten Fensterumrahmungen ab. Zwischen den Fenstern der Langhaussüdwand sind Rosetten gemalt. Chor und Westfassade werden durch stark hervortretende, einmal abgetreppte Strebepfeiler gestützt, die mit Pultdächern gedeckt sind. Das südliche Langhaus, die Westfassade und der Chor sind von dreibahnigen Spitzbogenfenstern mit Fischblasenmaßwerk durchbrochen. Die Fenster der Nordwand sind zugemauert.

Die Kirche ist ein dreijochiger Saalbau, an den sich im Osten ein eingezogener, dreijochiger Chor mit Fünfachtelschluss anschließt. Den westlichen Abschluss des Langhauses bildet eine vierjochige Empore, deren Brüstung aus kunstvollen Maßwerkfeldern besteht.
Die Kreuzrippengewölbe von Langhaus und Chor sind mit aufwändig gestalteten Schlusssteinen verziert, auf denen Wappen und figürliche Szenen zu erkennen sind. Auf den Schlusssteinen im Chor werden Gottvater, die Hand Gottes, das Lamm Gottes und der hl. Augustinus dargestellt. Zwei Schlusssteine, links der Engel, rechts Maria, geben die Verkündigungsszene wieder. Auf einem anderen Stein steht ein Chorknabe hinter einem knienden Bischof, der sich durch sein Wappen als Johann II. von Baden (1434−1503) ausweist. Im Langhaus sind der Schmerzensmann, Maria auf der Mondsichel und ein Christuskopf mit Dornenkrone zu sehen.
Auch die Konsolen sind mit Figuren skulptiert. Neben den zwölf Aposteln stellen sie Propheten und biblische Könige dar.
König Salomon
König David
Biblische Figuren
Apostel
Die spätgotischen Fresken stellen die vier Kirchenlehrer mit den Symbolen der Evangelisten dar. Ambrosius ist der geflügelte Mensch des Matthäus zugeordnet, Augustinus der Adler des Johannes, Hieronymus der Löwe des Markus und Gregor der Stier des Lukas. Im östlichen Joch tragen vier Engel die Leidenswerkzeuge Jesu. Auch an anderen Stellen wie in der Sakristei wurden Reste von Ranken- und Architekturmalerei wiederentdeckt.
In ein Fenster des südlichen Langhauses wurden Fragmente eines Grisaillefensters von 1480 wieder eingefügt. Unter einem gotischen Baldachin ist eine Figur dargestellt, die als Bernhard von Clairvaux gedeutet wird.
Die neugotischen Chorfenster sind mit 1873 bezeichnet. Auf dem linken Fenster werden die hl. Katharina von Alexandrien, Maria und die hl. Elisabeth von Thüringen, in deren Gewand Rosen eingeschlungen sind, dargestellt. Das rechte Fenster zeigt den hl. Georg, Jesus, der auf sein Herz weist, und den hl. Nikolaus, zu dessen Füßen das Pökelfass mit den drei Scholaren steht.
Die stehende Madonnenfigur mit Jesuskind und Traube, Unsere Liebe Frau vom Werth genannt, wird um 1490/1500 datiert und Tilman van der Burch zugeschrieben.
Der neugotische Altaraufbau umrahmt in drei Reihen angeordnete Relieftafeln, auf denen Szenen aus dem Leben Jesu dargestellt sind. Die untere Reihe erinnert an die Verkündigung, die Heimsuchung, den Kindermord von Bethlehem und die Flucht nach Ägypten. Themen der mittleren Reihe sind die Geburt Christi, die Präsentation im Tempel und die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die zwei Tafeln einnimmt. Die obere Reihe ist Gottvater, der Auferstehung, der Himmelfahrt und der Grablegung Christi gewidmet. Die Holzreliefs werden in die Zeit um 1520 datiert und der Werkstatt des Koblenzer Bildschnitzers Jakob Kern oder Kerre zugeordnet, einem Schüler von Hans Backoffen.
Die Sakramentsnische im Chor, links vom Hochaltar, besitzt zwei Holztüren mit Malereien auf der Innen- und Außenseite, die vermutlich aus der Zeit um 1520 stammen. Im geschlossenen Zustand ist die Verkündigungsszene zu sehen. Auf den Innenseiten ist links Maria auf der Mondsichel dargestellt und rechts die hl. Hildegundis mit Hirtenstab und Buch.
In einer anderen Nische der Apsis wird in einem Holzkästchen eine Reliquie aufbewahrt, die als Mütze des hl. Bernhard von Clairvaux verehrt wird. Angeblich gelangte sie durch Benigna von Helfenstein nach Niederwerth, die die Mütze anlässlich seines Besuchs in Deutschland von Bernhard als Geschenk erhalten hatte.
Die beiden lebensgroßen Figuren an der Stirnseite der Empore stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie stellen bedeutende Zisterzienser dar, links den hl. Bernhard von Clairvaux und rechts Robert von Molesme, den Gründer des Ordens.
Zwei Wappen an der Empore mit der Jahreszahl 1663 erinnern an Heinrich von Ufflingen und dessen Gemahlin Barbara, die Stifter der barocken Erweiterung der Empore.
50.3927097.61321Koordinaten: 50° 23′ 34″ N, 7° 36′ 48″ O